Nach der Verbannung der Schnecke vom Hofe des Königs befand sich der Adler im Aufwind.
Nicht nur, dass seine Karte des Tierreichs nun in allen Amts- und Schulstuben zwischen dem Staatswappen und dem Glaubensbekenntnis der Tiernation hing. Nein, ihm war auch das Ministerium für Post und Telekommunikation anvertraut worden. Es gab viel zu tun. Rigoros modernisierte er das System der Schneckenpost und ersetzte es durch ein straff organisiertes Netz von Brieftaubenstationen. Jungadler schraubten sich in die Höhe und erspähten jede verdächtige Bewegung auf den gepflasterten Heerstraßen. Eulen wurden als Nachtsichtgeräte an den Grenzen eingesetzt.
Am Hofe flog er ein und aus, er hatte, so sagte man, den direkten Draht zum König. Nur selten weilte er in seinem angestammten Horst, lieber pickte er sich eine Brieftaube heraus und verfolgte ihren Dienstflug aus großer Höhe. Oder er gesellte sich zu einem Jungadler und begleitete ihn auf seinen Kontrollflügen. Manchmal machte er sich den Spaß, des Nachts mit einem Luftballon oder einem flatternden Tuch die Eulen zu erschrecken. Er schien überall gleichzeitig zu sein. Bald nannte man ihn „Das Auge des Königs Nobel”.
Eines schönen blauen Tages nutze er einen Steigwind, wie er ihn noch nie erlebt hatte, und er gelangte höher hinauf als jemals. Da begegnete er Gott. Gott war wie… wie sollte er es beschreiben? Gott segelte ruhig dahin. Die starren, weit ausgespannten Flügel, auch die Schwanzfedern wie der langgestreckte Körper, alles war aus einem glatten, weiß schimmerndern Material. Die Flügelspitzen zitterten leicht in einer geheimen Spannung, in gelassener Kraft, so wollte ihm scheinen. Vorn lief der Körper in eine glatte gläserne Kuppel aus, ein riesiges Auge. Mit den Schwingen rudernd, hielt der Adler gleiche Höhe und starrte in dieses Auge. Im Innern des Glaskörpers blickte er in zwei weitere Augen, und darin spiegelten sich seine eigenen Augen…
Da fasste der Adler den Entschluss, den König der Tiere zu stürzen.
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Der Löwe befahl, das Reich der Tiere auf einer Landkarte zu verzeichnen. Der Adler legte seinen Entwurf vor.
Die Schnecke kroch darauf herum: „So kurz sollen die Wege sein in Deinem Reich, mein König? Man merkt: Der Entwurf stammt von einem, der den Staub der Landstraße zu fressen nicht nötig hat. Und der Stein, der mir gestern im Wege lag, als ich Deinem Hofe zustrebte, ist auch nicht eingezeichnet.“
„Dafür aber deine Schleimspur von hier ins Exil!“ höhnte der Löwe und wischte die Schnecke mit einem Hieb seiner Pranke beiseite. Und zum Hofstaat gewandt: „Der Adler hat eben die beste Klaue!“
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Patchwork //// Ungarn-Nachrichten im Januar 2011. Ein geneigter Leser schickt mir – auf anderem Wege, er ist kein Blogger – folgende Zeilen:
„Was Ungarn vernäht,
will ich nicht versäumen.“
Danke, T.F., das Wortspiel hilft, dem Wettkampf zwischen Nähmaschine und Schreibmaschine aus einer dadaistischen Ecke zuzuschauen.
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Heute habe ich diesem meinem Weblog eine leere Seite hinzugefügt. Damit folge ich dem Beispiel einiger ungarischer Medien. Die Gestaltung folgt dem letzten Beispiel, das ich gesehen habe: „Ich habe überhaupt keine Lust, ein festliches Feuilleton für die Weihnachtsnummer zu schreiben.“ So beginnt der Essay von Lajos Parti Nagy in der Nummer 51-52 des Wochenmagazins “168 óra“ (168 Stunden) vom 22. Dezember 2010. Wenn Parti Nagy Blattmacher oder Herausgeber wäre, würde er bis Anfang Januar sein Presse-Erzeugnis nur mit weißen Seiten erscheinen lassen, „als Zeichen dafür, dass ich als ungarischer Autor, als ungarischer Staatsbürger auf entschiedenste Weise gegen den absurden und groben (útszéli) Versuch protestiere, die ungarische Presse zu erniedrigen, gegen den krankhaften (hagymázos) Plan, die Pressefreiheit aufzuheben, gegen den Entwurf eines Gesetzes unter dem Decknamen ‚Über die Dienstleistungen der Medien und über die Kommunikation’“.
Diesem Protest schließe ich mich an – als EU-Bürger aus Deutschland, der in Ungarn lebt und arbeitet und diese Möglichkeit bisher als sein persönliches Glück betrachtet hat.
Wer mein Weblog verfolgt, wird bemerkt haben, dass es hier bisher keine Kategorie „Politik“ gibt. Ich möchte „einfach“ über tiefere interkulturelle Erfahrungen schreiben, Grundströmungen erfassen, die unter glatten oder aufgewühlten Oberflächen nicht sofort sichtbar werden. Auf den zweiten Blick wird man sehen, dass sich zwischen dem 11. April (dem Tag des ersten Wahlgangs) und dem 28. November 2010 keine aktuellen Eintragungen finden. Ich hatte eine regelrechte Schreibblockade – das Staunen darüber, dass „solche Dinge“ im heutigen Ungarn möglich sind, war eben kein philosophisches.
Es wird an dieser Stelle auch weiterhin nur wenige Kommentare zur Tagespolitik geben. Dazu fehlt mir die Zeit. Einen hervorragenden – und wie ich sehe – kritischen Überblick der Nachrichtenlage kann man sich bei dem Blogger Pusztaranger verschaffen, dem ich auf diesem Wege für seine aufwendige Arbeit danken möchte.
Ihm verdanke ich auch den Hinweis auf die Protestaktionen. Ich bitte die Leser, sich diesen anzuschließen:
European Blog Action against Censorship in Hungary
Egymillióan a magyar sajtószabadságért (Eine Million für die ungarische Pressefreiheit) bei Facebook
Free Press For Hungary (Internationale Version bei Facebook)
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Im Nachtzug von Wien Westbahnhof nach Hamburg Altona. „Überall war heller Tag, nur war es Nacht, nein, mehr als Nacht.“ (Plinius, Epistulae, VI, 16) Dies ist das Motto des Romans „Das Attentat“ von Harry Mulisch. Ich teile das Viererabteil mit einer holländischen Familie – es sind erstaunlich junge Eltern, ihr Sohn ist bestimmt schon 16, 17. Sie sind aus Groningen. Der Junge wickelt sich schnell in seine Decke und dreht sich zur Abteilwand. Das Paar ist mehr auf Kommunikation gestimmt als er. Ich liebe Groningen, das erste Mal fuhr ich hin mit einem Ungarn, der beim Überqueren des Grenzflusses, der Ems, begeistert ausrief: Ah, das ist Óperencia, jedes ungarische Märchen fängt so an. Die Holländer, vielleicht sind es auch Westfriesen, aber ich mag nicht fragen, schauen mich mit großen Augen an. Ja, das ist die Märchenformel: Es war einmal, oder es war keinmal, wenn es überhaupt je gewesen ist, war es jenseits von Óperencia. Der ungarische Freund hatte mir erklärt, dass vor Jahrhunderten ungarische Kalvinisten gerne zum Theologiestudium an eine holländische Universität gegangen waren, „also jenseits der Ems“. Viel später ging mir auf, dass natürlich die Enns gemeint war, jener Fluss, der Nieder- von Oberösterreich trennt: „Ob der Enns“ wurde zu „Óperencia“ verballhornt. Das Jenseits liegt oft näher, als man denkt. Ich zeige das rororo-Bändchen her: „Ich habe einen Roman von Harry Mulisch dabei.“ – „Ah, ‘De Aanslag’!“ sagt die Frau. „Dan kunt U nog eens niet slapen, dit is zo een spannend verhaal.“ Sie soll recht behalten. Von den Schaukelbewegungen des Liegewagens wird der Körper sanft in eine zunehmende Schlafbereitschaft gewiegt, der die Lektüre immer um genau eine Seite voraus ist. Ich folge den Lebensstationen Anton Steenwijks, dessen Familie in den letzten Kriegstagen, unversehens in eine Widerstandsaktion geraten, von den deutschen Besatzern ausgelöscht wird. Anton, damals 12 Jahre alt, begegnet später immer wieder Menschen, die auf die eine oder andere Weise in das „Attentat“ verwickelt sind und ihm immer mehr die Augen öffnen. Das ändert aber nichts an Antons Blindheit, ich möchte sagen: eschatologischen Blindheit. Die eigene Geschichte bleibt auf merkwürdige Art und Weise von ihm abgespalten. Kurz vor dem Einschlafen lese ich noch die für mich eindrücklichste Stelle des Romans. Bei der Schilderung des Begräbnisses eines Widerstandskämpfers, über 20 Jahre nach dem Krieg, heißt es: „Auf dem Friedhof hatte sich ein dichter Kreis um das Grab gebildet [...] Die leise Unterhaltung in den hinteren Reihen verstummte erst, als die Witwe selbst das Wort ergriff, ihre Worte verloren sich jedoch in der Weite des Sommertages. Die Vögel, die über sie hinwegflogen, mußten sie, die in der weiten Polderlandschaft dicht gedrängt um dieses kleine, dunkle Loch in der Erde standen, für ein großes Auge halten, das zum Himmel starrte.“ [S.109] Nach der Ankunft in Hamburg höre ich im Radio, dass Harry Mulisch gestorben ist.
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Rückblick: Ich rufe aus Belgrad zu Hause in Budapest an, zwei drei Tage nach der Gay Pride Parade: „Ist Post gekommen?“ – „Nichts Besonderes, nur der SPIEGEL.“ – „Was steht drin?“ – „Auf dem Titelbild ist eine Spinne, die wirft einen großen Spinnenschatten, es geht um die Macht der Angst. Angst ist gar nicht so schlecht, alle Erfolgreichen waren ängstlich, Bill Gates zum Beispiel.“ - „Und was sonst noch?“ – „Ein Schimpfartikel über Budapest.“ Budapest – Hauptstadt der Alpträume – eine neue Marke in der Hitliste der Metropolen.
Francisco de Goya: El sueño de la razón produce monstruos (Caprichos 43) 1799
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In der Franzensstadt erschienen in den vergangenen Wochen Schablonen-Graffiti mit dem Porträt Attila Józsefs, des nach verbreitetem Urteil (neben Endre Ady) bedeutendsten ungarischen Lyrikers im 20. Jahrhundert. Auf den Plakatwänden für die politischen Parteien, die sich am heutigen Sonntag um die Stimmen von mehr als 8 Millionen Wahlberechtigten bewerben, klebte das Porträt mit dem Slogan, für Europäer sei Attila József die einzig wählbare Alternative am 11. April. Heute vor 105 Jahren wurde der Dichter als Sohn einer Wäscherin geboren – in der Gát utca [Deichgasse], ebenfalls in der Franzensstadt. Im Innenhof findet heute eine Lesung mit allen seinen Gedichten statt – aus einer Wahlkabine heraus. Meine Wahl ist schon lange auf Attila József gefallen, ihn, der wegen eines Gedichts vom Lehrerstudium an der Universität Szeged ausgeschlossen wurde und den man 1936 nicht zu Thomas Mann vorließ, als dieser Budapest besuchte.
Der Dichter im Abseits
Bronzen, überlebensgroß
Eine umgeschmolzene Glocke:
Aus der Form gestürzt
Ans Ufer erzwungenen Müßiggangs.
Die Hände zwischen den Knien
Mögen auch den Hut nicht mehr dreh′n.
Geschweige denn… Und Schweigen.
Haltloser Blick auf den
Strom, drin treibt die
Sprache in Schollen, türmt
Sich zu Eisgebirgen
Auf: So leer das alles.
Augenstümpfe, Stammelohren, wund
Die von Apollo gehäutete Zunge…
Aber golden, golden
Zwischen Braue und Wange
Golden im Licht der Bogenlampen
Webt eine Spinne ihr schütteres Netz.
(1. Dezember 1995)
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Alltägliche Stau-Erfahrung auf den Brücken und Ringstraßen von Budapest: Man bedankt sich mit der Warnblinkanlage, wenn ein anderer Autofahrer eine Lücke lässt und man sich so in die Autoschlange einreihen kann. Das geht auch anders: Ich überhole rechts auf der Busspur, drängle mich vor der nächsten Baustelle oder Ampel nach links hinein und – tippe den Schalter für die Warnblinkanlage zweimal kurz an. „Ich weiß, das war jetzt nicht ganz o.k. Aber du an meiner Stelle hättest das jetzt auch so machen können, oder?“ Der Regelverstoß gilt damit als vergeben und vergessen.
Das Blinzeln als Heischen um Einverständnis habe ich zum ersten Mal vor Jahren in einer ungarischen Wohnküche erlebt. Der Zweitklässler saß am Küchentisch und kaute über seinen Rechenaufgaben am Bleistift. Gelangweilt schob er ein Automodell über die Seiten des Mathebuchs. Die Hausfrau bereitete am Herd das Abendessen vor. Sie hatte ihren Jungen schon mehrmals ermahnt, sich zu konzentrieren. Schließlich legte sie einen großen Kochlöffel aus Holz mit ausladender Geste neben das Hausaufgabenheft. Der Junge zwinkerte sie von schräg unten an, wortlos, als wollte er sagen: „Das meinst du doch nicht ernst, oder?“ Die Mutter musste lachen, der Sohn stimmte ein.
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Vor fünf Wochen war ich der Georg-Grosz-Ausstellung in der Berliner Akademie der Künste: „Korrekt und anarchisch“ soll er gewesen sein, ganz nach meinem Xing-Geschmack. Viel Kleinformatiges. Die frühen DADA-Montagen und spätere wunderbar collagierte Postkartengrüße an einen Freund lohnten das genaue Hinsehen. Entdeckungen waren zu machen, z. B. Grosz’ Publikationsorte nach dem Austritt aus der KPD, die seinem sozialen Engagement zur Zeit der Weimarer Republik dennoch weiterhin eine Bühne boten, die Zeitschrift „Die Pleite“ von Wieland Herzfelde zum Beispiel. Bei der großen Ausstellung von Katharina Sieverding („Close up“ im Budapester Ludwig-Museum, April 2006) hatte ich ein Foto gemacht, auf dem ihre großformatige Graphik das Logo dieses Periodikums zeigte, ohne dass ich damals von dieser Quelle wusste oder gehört hätte. Unwillkürlich ordnete ich die Graphik der Berliner Republik zu, wie sie sich nach der Wiedervereinigung entwickelt haben mag.
Späte Entdeckung: Erst jetzt fällt mir auf, wieviele bekannte ungarische Künstler auf dem Foto zu sehen sind. Und mit welch hintergründigem Lächeln sie sich abwenden. Von was? Mimik und halbe Körperdrehung beschwören mir Franz Kafkas Polizisten herauf, der – nach dem Weg zum Bahnhof gefragt – dem Atemlosen beiseite gespro-
chen klar macht: „Gib’s auf!“
Warum ich erst jetzt über meinen Nachmittag in der Georg-Grosz-Ausstellung schreibe? Beiläufig hatte ich mir mir aus einem Film-Interview mit Grosz eine Erzählung über seine Schulzeit notiert: „Der Rohrstock in der Oberrealschule wurde nach dem benannt, der ihn fühlte.“ Der Lehrer befahl: „Hol den Grosz aus dem Schrank!“, wenn Grosz Prügel beziehen sollte. Mich erschütterte das zynische Sprachspiel, und unwillkürlich erinnerte ich mich an einen Internatspräfekten aus meiner Schulzeit in den 60er Jahren: Er verfügte über drei Stöcke mit den Namen „Heilsam“, „Balsam“ und „Grausam“. Der zu bestrafende Schüler hatte die Wahl zwischen „Heilsam“ und „Balsam“. Der Pädagoge fügte Schläge mit dem „Grausamen“ nach seinem Belieben hinzu. Ich hörte davon erzählen und entschied mich gegen den Eintritt in das katholische Internat.
Inzwischen werden in Deutschland immer mehr Fälle des sexuellen Missbrauchs von Schülern bekannt. Die Vorgänge in der reformpädagogischen Odenwaldschule öffnen aber die Augen dafür, dass die Strafrituale einer Schwarzen Pädagogik, wie immer auch sadistische Züge sich hineinmischen mögen, genau unterschieden werden müssen vom sexuellen Missbrauch durch den geliebten, charismatischen Lehrer. Nur der Missbrauch führt zum abgrundtiefen Riss zwischen mir und den anderen, zum Herausfallen des Ichs aus der Welt.
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Der Kondor, stolzer Vogel – im Ohr hat man unweigerlich die Indioflöte und den mehrfachen Aufschwung der Melodie. Jetzt auch real in dieser Stadt, keine Fußgängerzone in Europa ohne Indio-Musik. Die Maschinen von Lima nach Cuzco – natürlich auch zu den übrigen Zielen auf der anderen Seite – fliegen immer sehr früh morgens, um die Aufwinde, die vom Pazifik kommen, zu nutzen und sich nicht den landseitigen Abwinden später am Tag entgegenstemmen zu müssen. Machu Pichu – wenn man es aus großer Höhe anschauen würde – hat die Umrisse eines riesigen Vogels. Ich bin aber gar nicht dort, sondern hier in Budapest, in der Endstation der kleinen Untergrundbahn. Auf der Andenseite bin ich jetzt nur, weil Kriemhild immer die Silben verschluckt, wenn sie „auf der anderen Seite“ sagen will, und das kommt oft vor. Kriemhild ist die deutsche Version von Ildikó. Machu und Pichu – jedenfalls wie ich es ausgesprochen gehört habe, mit diesem „tsch“ – hätten bei lascher Aussprache des Endvokals im Ungarischen auch so ihre Anklänge, anstößige dazu. Wenn Kriemhild flucht, dann flucht sie auf das Geschlecht der Mutter, und das tut sie wie ein Kutscher, also machomäßig, was auch dazu passt, wie sie raucht und Schnaps trinkt. Weder Weibchen noch Emanze, also ganz auf der Andenseite. Die kleine U-Bahn fährt im Zwei-Minuten-Takt, es gibt wenig Zeit, sich umzuschauen, außer man nimmt den übernächsten Zug. Zur Hundertjahrfeier hat man die Stationen wieder hergerichtet, die alten Kacheln ergänzt und aufgefrischt, die gusseisernen Träger neu gestrichen, und ein paar Vitrinen aufgestellt, in denen Bezüge zum Pester Leben der vorletzten Jahrhundertwende hergestellt werden. Zum Beispiel hier die Plakatkunst. Und weil ich mir Zeit genommen habe, mache ich eine Entdeckung.
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